Seit 1998 bietet das Friedesdorf Selo Mira 150 Kindern, die durch den furchtbaren Bürgerkrieg ihre Familien verloren haben, die Liebe und Geborgenheit, die ihre verletzten Seelen so dringend brauchen. Kinderdorfmütter sind überwiedend Kriegswitwen, die hier mit ihren eigenen Kindern eine neue Lebensaufgabe und eine neue Existenz gefunden haben. Dem Dorf ist ein Seniorenhaus angegliedert, wo die leiblichen Großeltern der Waisen aufgenommen wurden. Hier können sie ihren Lebensabend in Sicherheit, Würde und vor allem gemeinsam mit ihren Enkeln begehen.
Bereits seit 1992 engagierte sich die Kinderzukunft für die vom Krieg geplagten Menschen im zerfallenden ehemaligen Jugoslawien. Vielen Familien wurde ihre Heimat geraubt und etliche Kinder verloren ihre Eltern. Alte Menschen, die Vertreibung und Zerstörung mit ihren Enkeln überlebt hatten, und junge Witwen mit ihren kleinen Kindern wussten nicht, wie es weitergehen sollte. Rudolf Walther wollte daher diesen Menschen eine Zuflucht bieten. Nach zwei Jahren Bauzeit wurde Selo Mira - unser Friedensdorf für Bosnien - am 22. Mai 1998 eröffnet.
Auf einem fünfzehn Hektar großen Gelände in der Gemeinde Lukavac-Turija bei Tuzla bietet es seitdem ein Zuhause für mehr als zweihundert Menschen. Zwölf große Doppelhäuser wurden im Oval angeordnet. Im Innern der Anlage finden sich ein Basketballfeld, ein großer Spielplatz und freie Rasenflächen für die Kinder. Umgeben ist dieses Kinderdorf von Gemüsegärten und Obstbäumen.
Jeweils acht bis zehn Kinder leben mit einer Kinderdorfmutter als Familie in einer eigenen Wohnung zusammen. Leibliche Geschwister gehören selbstverständlich zur gleichen Familie. Die Kinderdorfmütter sind überwiegend Kriegswitwen, die nun mit ihren eigenen Kindern eine neue Existenz und einen neuen Lebensinhalt gefunden haben. Bei ihrer Arbeit werden die Mütter von jungen Frauen unterstützt, die als "Tanten" in den Familien arbeiten und die Mütter bei Bedarf vertreten.
Im Verwaltungsgebäude befinden sich neben den Büros auch eine Krankenstation, wo sich unsere Krankenschwester um die medizinische Grundversorgung der Kinder kümmert. Außerdem steht ein Gästehaus mit mehreren Zimmern zur Verfügung. Weiterhin gibt es einen eigenen Kindergarten für unsere Jüngsten. Für die Kinder, die zum Unterricht in die Dorfschule in Turija gehen, gibt es einen Schulunsgraum, in dem sie bei Bedarf Nachhilfeunterricht sowie Fremdsprachen- und EDV-Kurse erhalten.
Eine Besonderheit von Selo Mira ist das Seniorenhaus.
In den bosnischen Flüchtlings- und Vertriebenenlagern fand Rudolf Walther viele Waisenkinder, denen nur noch die Oma, der Opa, eine alte Tante oder ein Onkel geblieben war. Um diese Kinder und die alten Leute, die selbst nicht mehr in der Lage waren, sich um die Kleinen zu kümmern, nicht trennen zu müssen, ließ Rudolf Walther zwei Häuser für ursprünglich 40 Senioren zusätzlich aus privaten Mitteln errichten. In der Dorfgemeinschaft von Selo Mira verbringen diese leidgeprüften alten Menschen ihren Lebensabend in Sicherheit und Würde und vor allem gemeinsam mit ihren Enkeln.
Projekte des Kinderdorfs in Bosnien-Herzegowina
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