Als das Wasser den Himmel berührte
Die Sonne steht hoch über der staubigen Ebene von Siavonga, als die Bohrmaschine der Drilling Company zum Leben erwacht. Ein tiefes Dröhnen liegt in der Luft, feiner roter Staub legt sich auf Haut und Kleidung. Seit Stunden stehen die beiden Männer an ihrer Maschine, konzentriert, schweigend, hoffend. Sie wissen, dass dieser Moment über das Leben vieler entscheidet – über die Zukunft einer ganzen Schule.
„Hier muss Wasser sein“, sagt einer von ihnen leise, fast wie ein Gebet. Er heißt John*, sein Kollege Moses*. Beide sind im Auftrag von ADRA Zambia unterwegs, gemeinsam
mit der Stiftung Kinderzukunft. Sie haben Dutzende Brunnen gebohrt – aber jedes Mal ist es, als stünden sie wieder am Anfang. Wasser zu finden in dieser trockenen, von der
Sonne verbrannten Erde, ist kein Handwerk. Es ist Glaube. Geduld. Berufung.

Rings um die Bohrstelle warten Lehrerinnen und Lehrer, einige Eltern – und Dutzende
Kinder in ihren blau-weißen Schuluniformen. Der Wind trägt den Staub bis zu ihnen, sie halten sich Tücher vors Gesicht. Noch ist es nur Staub. Kein Wasser.

Dann plötzlich, nach Stunden voller Spannung, ein Ruck, ein metallisches Kreischen –
und ein tiefes Grollen aus der Erde. Die Maschine stockt, dröhnt, und dann geschieht
das Wunder: Ein kräftiger Strahl schießt in den Himmel. Erst trüb, dann klar, kühl,
glitzernd. Wasser.

Ein Jubel bricht los, laut, ungläubig, befreiend. Kinder rennen über den Schulhof, Lehrer fallen sich in die Arme, John und Moses stehen schweigend da, schmutzig, erschöpft, glücklich. Sie wissen, was dieses Wasser bedeutet. Es ist mehr als nur ein Brunnen. Es ist Leben.

„Das ist der schönste Moment jedes Projekts“, sagt John später. „Wenn die Kinder
lachen und ihre Hände in das Wasser halten, das eben noch tief unter ihren Füßen
verborgen war.“
An der Schule, an der die beiden bohren – eine einfache, von der Hitze gezeichnete
Anlage im Süden Sambias – soll bald ein solarbetriebener Brunnen stehen. Sauberes
Trinkwasser wird in Tanks gepumpt, Schulgärten werden entstehen, Toiletten und
Waschstationen gebaut. Mädchen müssen nicht mehr tagelang fehlen, weil sie während ihrer Menstruation zu Hause bleiben. Kinder müssen keine Kilometer mehr laufen, um Wasser zu holen. Stattdessen können sie lernen, spielen, gesund aufwachsen.
Das Projekt „Wasser ist Leben“, das die Stiftung Kinderzukunft gemeinsam mit
ADRA Zambia und der Unterstützung der F.A.Z.-Leserinnen und -Leser umsetzt, will
genau das erreichen: Leben zurückbringen an Orte, die vom Klimawandel besonders
hart getroffen sind. Siavonga und Chirundu – zwei Distrikte im Süden Sambias, wo
Temperaturen bis zu 45 Grad herrschen und viele Flüsse längst ausgetrocknet sind. Hier entscheidet Wasser über Bildung, Gesundheit – über das Überleben.
John und Moses sind an diesem Tag die Helden. Aber sie sind nicht allein. Hinter ihnen
steht ein Netzwerk von Menschen, die daran glauben, dass jedes Kind das Recht auf
sauberes Wasser und Bildung hat – und dass Hilfe dort am stärksten wirkt, wo sie
Hoffnung schenkt.
Am Ende des Tages sitzen die beiden Männer still neben ihrem Bohrfahrzeug. Die Sonne sinkt, Kinder spielen unter dem Wasserstrahl, der noch immer aus der Pumpe sprudelt. John lächelt. „Wir haben das Wasser gefunden“, sagt er. „Aber eigentlich hat das Wasser uns gefunden.“
Die Storys of Hope© entstanden auf Grundlage von Eindrücken und Gesprächen während einer Projektreise der Stiftung Kinderzukunft nach Sambia. Sie erzählen von echten Menschen, echten Orten und echter Hoffnung. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte wurden alle Namen geändert. Mit Ihrer Spende oder Patenschaft helfen Sie, Projekte wie diese zu verwirklichen – Brunnen zu bauen, Schulen zu stärken und Kindern eine Zukunft zu schenken.
