„Der Durst, der nie endet“
Die Sonne brennt unerbittlich über den Hügeln von Chirundu. Kein Wind bewegt sich, kein Schatten, kein Laut – nur das Summen der Hitze. Die Luft flirrt, der Boden ist aufgerissen, rissig wie altes Leder. Wer hier lebt, weiß, was Durst bedeutet. Nicht der kleine Durst nach einem Glas Wasser. Sondern der Durst, der tief in die Kehle schneidet, der jede Bewegung schwer macht, der nach Leben schreit. An einem Wasserhahn auf dem Schulgelände steht eine Gruppe Schulkinder an, jeder bekommt nur wenige Schluck Wasser. Jeder wartet geduldig. Niemand drängelt, niemand schreit. Das Wasser kommt langsam, Tropfen für Tropfen. Ein Junge fängt das erste Rinnsal auf, hebt es vorsichtig an die Lippen. Es ist warm, schmeckt nach Erde – und doch ist es das Kostbarste, was es hier gibt.
„Wir teilen“, sagt Mary, die Lehrerin. „Immer. Auch wenn es wenig ist.“ Das Wasser der Schule gehört nicht nur den Schülern. Es wird geteilt – mit den Familien der umliegenden Dörfer, mit den Tieren, die aus der Dürre kommen: Ziegen, Esel, manchmal sogar Paviane. Wasser ist hier Leben. Und Leben bedeutet Teilen.

An vielen Schulen, die von der Stiftung Kinderzukunft unterstützt werden, haben wir sogenannte Wasserkomitees gegründet. Sie bestehen aus Lehrern, Eltern und älteren Schülern. Sie achten darauf, dass die Solarpumpen funktionieren, dass das Wasser richtig verteilt wird. Morgens ist es für die Schule da – zum Trinken, Kochen, Waschen. Nachmittags dürfen die Dorfbewohner kommen, abends füllen die Tiere die letzten Eimer. Jeder Tropfen ist kostbar, jede Entscheidung über die Nutzung eine Frage des Überlebens.

„Manchmal reicht es nicht für alle“, sagt der Vorsitzende des Komitees leise. „Aber wir streiten nicht. Wir wissen, dass das Wasser uns verbindet. Nicht trennt.“ In der Dürrezeit, wenn der Himmel monatelang kein Regen schenkt, wenn selbst die Blätter der Bäume grau werden, verlieren viele Menschen die Hoffnung. Aber nicht hier. Hier kämpfen sie. Mit Geduld. Mit Würde. Mit Zusammenhalt.

Und wenn dann – nach langen Tagen der Hitze – die Solarpumpe surrt und klares Wasser in die Tanks steigt, kann man manchmal sogar ein Kind lachen sehen Der Durst, der sie antreibt, ist mehr als Hunger nach Wasser. Es ist der Durst nach Zukunft, nach Bildung, nach Würde. Die Kinder wollen lernen, träumen, leben – und sie wissen, dass jeder Brunnen, den wir gemeinsam mit ADRA Zambia bauen, ein Schritt in diese Zukunft ist. Noch sind es zu wenige. Noch müssen viele kilometerweit gehen, um ein paar Liter Wasser zu finden. Noch gibt es Schulen, die ohne Brunnen sind. Aber wir geben nicht auf. Denn für uns von der Stiftung Kinderzukunft ist klar: Kein Kind darf durstig bleiben – weder nach Wasser noch nach Leben.

Und so stehen wir gemeinsam mit den Menschen hier, Tag für Tag, unter dieser brennenden Sonne. Wir bauen, bohren, hoffen. Bis jeder Schluck Wasser ein Stück Zukunft bedeutet.
Die Storys of Hope© entstanden auf Grundlage von Eindrücken und Gesprächen während einer Projektreise der Stiftung Kinderzukunft nach Sambia. Sie erzählen von echten Menschen, echten Orten und echter Hoffnung. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte wurden alle Namen geändert. Mit Ihrer Spende oder Patenschaft helfen Sie, Projekte wie diese zu verwirklichen – Brunnen zu bauen, Schulen zu stärken und Kindern eine Zukunft zu schenken.
