Ein Engel unter rotem Staub
Als Amari* ihr Studium an der Universität von Lusaka abschloss, war sie stolz – und voller Träume. Lehrerin wollte sie werden, Kindern Mut geben, Wissen teilen, Zukunft schenken. Sie liebte die Stadt, ihre Freunde, das bunte Leben, die Cafés, das Lachen in den Straßen. Doch als der Brief vom Bildungsministerium kam, änderte sich alles: Ihre erste Stelle – an einer kleinen Grundschule im Bezirk Chirundu, ganz im Süden Sambias.
„Wo ist das?“, hatte sie damals gefragt. Niemand in ihrer Familie war je dort gewesen. Eine staubige, abgelegene Region, weit entfernt von der Hauptstadt. Aber Amari zögerte nicht. „Wenn sie dort Lehrer brauchen, dann gehe ich“, sagte sie.

Der erste Eindruck war hart. Die Straße zur Schule: Schotter, Staub, Hitze. Das Schulgebäude: einfache Lehmwände, Wellblechdächer. Kein Wasser, keine Elektrizität. Die Kinder brachten ihre Trinkflaschen selbst mit, manchmal nur halbleer, manchmal gar nicht. Die Toiletten – ein paar Holzverschläge hinter der Schule. Amari musste in einem Nachbardorf ein Zimmer mieten. Kein Strom, kein Bad. Jeden Morgen läuft sie eine Stunde zu Fuß zur Schule, oft schon in der Morgensonne, den Staub in den Schuhen, den Rucksack voller Schulhefte.
„Ich war anfangs kurz davor, aufzugeben“, erzählt sie. „Aber dann sah ich die Kinder – und ich wusste, warum ich hier bin.“

Die Schüler lieben sie. Sie nennen sie Madam Amari, und wenn sie das Schulgelände betritt, laufen sie ihr entgegen, lachen, winken, wollen ihre Hand halten. Sie unterrichtet in einem schwarz-weißen Kleid – schlicht, sauber, elegant –, und wenn sie spricht, wird es still. Ihre Stimme ist ruhig, warm, geduldig.
„Amari ist wie ein Engel“, sagt Mrs. Banda*, die Schulleiterin. „Sie hat ein Herz, das größer ist als diese Schule.“
Mrs. Banda selbst kämpft seit Jahren um jede Verbesserung: um Schulbücher, um Essen, um Wasser. Sie unterstützt Amari, wo sie kann – teilt mit ihr ihre Mahlzeiten, ihren Rat, manchmal einfach nur ihr Lächeln.

Aber der Alltag bleibt hart. Wenn die Sonne brennt und kein Wind geht, sitzen die Kinder matt auf ihren Bänken. Amari bringt ihnen bei, wie wichtig Hygiene und Händewaschen sind – doch es gibt kein fließendes Wasser.
„Manchmal fühlt es sich an, als würde ich gegen den Wind lehren“, sagt sie. „Aber dann sehe ich ein Kind, das Lesen lernt – und alles ist gut.“

Als wir – das Team der Stiftung Kinderzukunft gemeinsam mit ADRA Zambia und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung – diese Schule besuchten, standen Amari und Mrs. Banda am Rand des Schulhofs. Der Wind wehte den roten Staub über die trockene Erde.
„Wir träumen von Wasser“, sagte Mrs. Banda leise. „Von einem Brunnen. Von einem Garten. Von Hoffnung.“
Amari nickte. Ihre Augen glänzten in der Sonne. Hinter ihr spielten Kinder, ihre Uniformen staubig, ihr Lachen hell. In diesem Moment wussten wir: Diese Schule darf nicht vergessen werden. Sie braucht Wasser. Sie braucht Unterstützung. Und sie braucht Menschen wie Amari – Engel in Schwarz- Weiß, die bleiben, wo andere längst gegangen wären.
*Name geändert
Die Storys of Hope© entstanden auf Grundlage von Eindrücken und Gesprächen während einer Projektreise der Stiftung Kinderzukunft nach Sambia. Sie erzählen von echten Menschen, echten Orten und echter Hoffnung. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte wurden alle Namen geändert. Mit Ihrer Spende oder Patenschaft helfen Sie, Projekte wie diese zu verwirklichen – Brunnen zu bauen, Schulen zu stärken und Kindern eine Zukunft zu schenken.
