Eine Schule, die vom Wasser träumt

Es ist früher Morgen in Chirundu. Der Himmel glüht in mattem Orange, die Sonne kündigt einen weiteren heißen Tag an. In der Ferne sieht man kleine Gestalten auf staubigen Pfaden – Kinder mit Plastikkanistern in den Händen, manche kaum älter als sieben Jahre. Sie tragen Wasser. Jeder Tropfen zählt.

Ihre Schule liegt mitten im Nirgendwo, zwischen Hügeln, die von der Dürre ausgedörrt sind. Kein Brunnen, kein Wasserhahn, kein Tropfen auf dem Gelände. Wer hier lernt, bringt sein Wasser selbst mit – aus einem kleinen Tümpel im Dorf, manchmal drei Kilometer entfernt. Doch oft reicht es nicht einmal für den Tag. Dann teilen sie, wie sie alles teilen.

Die Lehrerin Amari* steht im Schatten des Schulgebäudes mit eine Kollegen und wartet auf ihre Klasse. Ihr weißes Hemd ist vom Staub rötlich gefärbt, in der Hand hält sie ein Notizbuch, das schon bessere Tage gesehen hat.

„Manchmal kommen sie zu spät“, sagt sie leise, „manchmal gar nicht. Aber ich verstehe es. Ohne Wasser kann man nicht lernen.“

Die sanitären Einrichtungen der Schule bestehen dunklen Lehmhütten – ein Loch im Boden, ohne Türen, ohne Licht. Besonders für die Mädchen ist das eine große Hürde. Viele bleiben an bestimmten Tagen zu Hause, manche kommen ganz nicht mehr.

„Ich sehe sie auf dem Weg zum Markt“, erzählt Amari. „Sie würden gern kommen. Aber sie trauen sich nicht.“

Als wir – die Stiftung Kinderzukunft gemeinsam mit unserem Projektpartner ADRA Zambia und dem Team der Frankfurter Allgemeinen Zeitung – die Schule besuchten, spürten wir sofort: Hier fehlt alles – und doch ist da so viel Leben. Die Kinder lachten, zeigten uns ihre zerfledderten Hefte, ihre kleinen Träume.

„Wir wünschen uns Wasser“, sagte Amari. „Nur Wasser.“

Doch bis dieser Wunsch Wirklichkeit werden kann, braucht es viele Schritte. Bevor ein Brunnen gebohrt wird, muss ein hydrogeologisches Gutachten erstellt werden. Die Böden werden untersucht, die Behörden des Distrikts beraten, Dorfälteste und Anwohner angehört. Die Schule muss sich bereit erklären, Verantwortung zu übernehmen: mit Lehrern, Eltern und einem Wasserkomitee, das später die Anlage wartet und das Wasser gerecht verteilt.

„Das Wichtigste ist Zusammenarbeit“, erklärt der Vertreter von ADRA Zambia. „Wasser allein reicht nicht. Die Menschen müssen es schützen, teilen, pflegen. Nur dann wird es bleiben.“

Wir sahen diese Bereitschaft in jedem Gespräch. In den Gesichtern der Lehrerinnen, in der Entschlossenheit der Schulleiterin Mrs. Banda, in den Händen der Kinder, die uns stolz zeigten, wie sie ihre kleinen Beete mit dem wenigen Wasser am Leben halten. Diese Schule ist mehr als ein Ort des Lernens. Sie ist ein Ort der Hoffnung. Ein Symbol dafür, was entstehen kann, wenn Menschen zusammenstehen. Wenn aus Staub Zukunft wächst.

Amari sagt: „Ich träume von einem Tag, an dem unsere Kinder trinken können, wann sie wollen. An dem niemand mehr mit einem Kanister laufen muss. An dem unsere Mädchen bleiben.“ Dann lächelt sie. „Und ich glaube, dieser Tag wird kommen.“

Wir auch. Denn dort, wo Wasser fließen wird, werden auch Träume wachsen – und mit ihnen eine neue Generation, die gelernt hat, dass Hoffnung beginnt, wenn man nicht aufgibt.

Die Storys of Hope© entstanden auf Grundlage von Eindrücken und Gesprächen während einer Projektreise der Stiftung Kinderzukunft nach Sambia. Sie erzählen von echten Menschen, echten Orten und echter Hoffnung. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte wurden alle Namen geändert. Mit Ihrer Spende oder Patenschaft helfen Sie, Projekte wie diese zu verwirklichen – Brunnen zu bauen, Schulen zu stärken und Kindern eine Zukunft zu schenken.