Eine Stunde Wasser, 23 Stunden Hoffnung

Warten.

Kaum jemand mag es. Warten bedeutet Stillstand, Ungewissheit, Geduld. Wir sind es gewohnt, dass Dinge sofort geschehen – ein Griff zum Wasserhahn, und das Wasser fließt. Doch hier, im Distrikt Siavonga, hat das Warten eine andere Bedeutung. Hier ist es Teil des Lebens.

Die Sonne steht hoch über dem Schulhof. Es ist früher Nachmittag, die Luft flirrt, die Erde ist heiß wie ein Ofenboden. Vor dem einzigen Wasserhahn stehen bunte Eimer. Sie zeigen die Reihenfolge, wer zuerst Wasser bekommt. Auf dem Gelände sitzen Kinder, viele Kinder. Sie reden leise, lachen ab und zu. Aber sie wissen – das Wasser kommt erst später. Irgendwann. Vielleicht um drei. Vielleicht um vier. Vielleicht auch gar nicht. Also warten sie.

Die Lehrer warten. Die Ärztin aus der Gesundheitsstation nebenan wartet. Die Mütter, die ihre Kinder waschen wollen, warten. Alle warten – auf die Stunde, in der das Wasser wieder fließt.


Früher war das anders. Die Schule hatte Brunnen, Pumpen, Leitungen. Alles war da. Doch dann versiegten die Quellen. Die Hitze, der fehlende Regen, die sinkenden Grundwasserspiegel – sie ließen das, was einmal Leben war, versiegen. Heute läuft das Wasser nur noch für eine Stunde am Tag. Eine Stunde, in der sich das ganze Dorf um diesen einen Hahn versammelt. Wir waren dort – gemeinsam mit unserem Partner ADRA Zambia. Wir haben gesehen, wie die Menschen warten. Wie sie geduldig ihre Kanister nebeneinanderstellen, wie kein Gedränge entsteht, keine lauten Worte. Nur Ruhe, Disziplin und ein unerschütterlicher Glaube daran, dass das Wasser kommen wird.

Eine Lehrerin erzählte uns:

„Ich bringe meine Schüler früh zur Schule. Sie lernen, sie spielen. Aber wenn das Wasser läuft, lassen wir alles stehen und holen es. Ohne Wasser können wir hier nichts tun.“

Sie sagt es ohne Klage, ohne Bitterkeit – nur mit einem Lächeln, das von Hoffnung erzählt.

Und während wir dort standen, in der Hitze, wartend mit ihnen, verstanden wir, was Geduld wirklich bedeutet. Dieses Warten ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist Stärke. Es ist Vertrauen. Denn sie wissen: Irgendwann wird Hilfe kommen. Irgendwann wird das Wasser wieder fließen.

Wir von der Stiftung Kinderzukunft wollen, dass dieses Warten ein Ende hat. Gemeinsam mit ADRA Zambia prüfen wir, ob wir hier neue Solarbrunnen errichten können – Brunnen, die zuverlässig Wasser spenden, auch in den langen, heißen Monaten. Dafür braucht es Gutachten, Abstimmungen, Engagement. Aber vor allem braucht es eines: die Entschlossenheit, weiterzumachen. Die jungen Menschen von Siavonga haben das längst verstanden. Sie warten nicht tatenlos – sie bewahren Hoffnung. Und vielleicht ist genau das die größte Stärke, die sie uns lehren können: Geduld – im Angesicht der Dürre. Hoffnung – im Angesicht der Leere. Und den Glauben daran, dass Wasser kommt.

Die Storys of Hope© entstanden auf Grundlage von Eindrücken und Gesprächen während einer Projektreise der Stiftung Kinderzukunft nach Sambia. Sie erzählen von echten Menschen, echten Orten und echter Hoffnung. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte wurden alle Namen geändert. Mit Ihrer Spende oder Patenschaft helfen Sie, Projekte wie diese zu verwirklichen – Brunnen zu bauen, Schulen zu stärken und Kindern eine Zukunft zu schenken.