„Im Kinderdorf durfte ich endlich Kind sein.“
Adrianas Weg voller Mut, Fleiß und neuer Chancen
Im Oktober 2015 kam ich mit 12 Jahren gemeinsam mit meinen vier jüngeren Brüdern ins Kinderdorf „Satul de Copii“ in Timișoara. Zuhause waren wir von schweren Problemen geprägt – fehlendes Einkommen, Gewalt, Vernachlässigung. Ich musste früh Verantwortung übernehmen und gleichzeitig versuchen in der Schule mitzuhalten.
Der Einzug ins Kinderdorf bedeutete für mich zum ersten Mal Sicherheit und ein Leben ohne ständige Belastungen. Am Anfang war ich schüchtern und unsicher, aber voller Hoffnung. Mit der Zeit gewöhnte ich mich ein und fühlte mich als Teil der Gemeinschaft, wohl und sicher.
Im Kinderdorf durfte ich endlich Kind sein. Ausflüge, gemeinsames Spielen und Lernen – all das, was vorher keinen Platz in meinem Alltag hatte, wurde nun Teil meines Lebens. Wir spielten, lachten und entdeckten neue Orte. Diese unbeschwerte Freude am Zusammensein ist mir bis heute in Erinnerung geblieben.
Ich war von Beginn an sehr motiviert, fleißig, ehrgeizig und lernfreudig. Besonders Mathematik und Informatik begeisterten mich und meine schulischen Leistungen waren ausgezeichnet. Nach meinem Schulabschluss machte ich mein Abitur an der Wirtschaftshochschule Timișoara. Danach begann ich an der Polytechnischen Universität Timișoara mein Studium im Bereich Automatisierung und Informatik, welches ich erfolgreich abschloss. Mein Wunsch war eine sichere Zukunft und die Chance, über mich hinauszuwachsen. Die Unterstützung, die ich erhalten habe, half mir nicht nur finanziell, sondern gab mir auch das Gefühl, dass jemand an mich glaubt.
Heute absolviere ich ein Masterstudium in Entrepreneurship-Management im Bereich Betriebswirtschaftslehre, arbeite im IT-Bereich und biete Support für medizinische Software an. Mein Alltag ist intensiv, aber erfüllend. Mein Leben ist schön – ich teile meine Zeit zwischen Arbeit, Studium und Freizeit auf, die ich für Sport und entspannende Aktivitäten nutze.
Ich bin für meine Geschwister und viele andere junge Menschen zu einem Vorbild geworden. Mein Rat lautet: Gebt eure Träume niemals auf und glaubt an euch. Auch wenn der Weg steinig ist, zählt jeder Schritt. Man kann mehr erreichen, als man sich je erträumt hat.
Für die Kinder im Kinderdorf wünsche ich mir Menschen, die an sie glauben – so wie man an mich geglaubt hat. Mein Weg zeigt, wie aus schwierigen Anfängen ein Leben voller Möglichkeiten entstehen kann und beweist, wie wertvoll ein sicherer Ort, richtige Förderung und menschliche Zuwendung für ein Kind sein können.





