Auszug aus Kinderzukunft - Stiftung für Kinder in Not - Druckansicht

14 Stunden Fahrt in Privat-PKWs waren schnell vergessen, als wir am Abend des 14. Mai im Kinderdorf „Selo Mira“ eintrafen und unsere Patenkinder begrüßen durften. Diese hatten dem Besuch ebenfalls entgegengefiebert, besteht doch der Kontakt zu den Paten aus Deutschland schon seit vielen Jahren und Paten und Patenkinder verbinden viele schöne Erinnerungen an zurückliegende Besuche. Eine Woche würden wir bleiben, gut untergebracht in Gästezimmern des Kinderdorfs. Zusammen mit der Kinderdorf-Leitung hatten wir an drei Tagen Ausflüge mit einem vor Ort angemieteten Reisebus geplant. Am Freitagnachmittag sollte es nach Schulende zu den Salzseen in Tuzla gehen, am Samstag dann nach Sarajevo und am Sonntag stand der Besuch eines Freilichtmuseums mit Kinderspielplatz auf dem Programm. Diese Busausflüge sind für die Kinder immer etwas ganz Besonderes, denn nicht nur den Kindern der Paten, sondern auch anderen Schützlingen wird ein solches Erlebnis ermöglicht.

Leider kam dann doch alles ziemlich anders als geplant. Schon auf der Autobahn durch
Kroatien begann es in Strömen zu regnen und es sollte auch so schnell nicht wieder aufhören. Im Nachhinein konnten wir sogar von Glück sagen, dass wir an jenem Anreisetag überhaupt noch bis ins Kinderdorf durchgekommen sind. Der Ortskern der Gemeinde Turija, zu der das Kinderdorf gehört, stand bereits unter Wasser, so dass wir außerhalb parken und uns von Mitarbeitern des Kinderdorfs im dorfeigenen Kleinbus abholen lassen mussten.
 
Die kommenden beiden Tage waren von starkem Dauerregen geprägt und wir mussten unsere Tage entsprechend neu strukturieren: statt Fußball und Tischtennis im Freien also eher „Mensch ärgere dich nicht“ in den Wohnhäusern, statt geselligem Kaffeetrinken unterm Sonnenschirm nun geselliges Kaffeetrinken in den Wohnzimmern. Herzliche Begegnungen,
Lachen und Spielen lassen sich aber auch so gestalten – unsere Wiedersehensfreude sollte dies nicht trüben. Inzwischen häuften sich die Radiomeldungen und Fernsehberichte über großflächige Überschwemmungen, unpassierbare Straßen, weggerissene Brücken, Erdrutsche, überflutete Dörfer und Städte, Menschen, die mit Booten aus ihren Häusern gerettet werden mussten. Auch die unmittelbare Umgebung des Kinderdorfs war betroffen; neben Turija hatten u. a. auch die nahegelegenen Städte Lukavac und Tuzla mit Hochwasser zu kämpfen. Mitarbeiter des Kinderdorfs saßen fest, konnten nicht mehr nach Hause oder – falls sie zu Hause waren – nicht zum Dienst ins Kinderdorf zurückkehren. Die meisten Straßen waren inzwischen unpassierbar und es wurde immer klarer, dass unsere Wochenendausflüge nicht würden stattfinden können.

Immerhin ließ am Freitagnachmittag der Regen nach, so dass wir uns zusammen mit unseren Patenkindern erstmals selbst ein Bild von der Lage verschaffen konnten. Am nahen Stausee war vom Strand nichts mehr übrig geblieben, der Wasserstand viele Meter höher als gewöhnlich. Ein weitgehend trocken gebliebenes Restaurant sperrte extra seine Pforten für uns auf, um uns mit Getränken zu versorgen. Von nun an zeigte die Sonne, was sie konnte. Das Wochenende war geprägt von zurückgehenden Pegelständen. Notdürftig reparierte Straßen ermöglichten uns kleinere Fahrten nach Lukavac und am Sonntag konnten wir dann doch noch mit dem Reisebus nach Tuzla fahren. Dort verbrachten wir einen schönen Nachmittag im Park – bei Ballspielen, Seilspringen, Federball und Hula-Hoop kamen alle Kinder auf ihre Kosten. Am Ende waren wir froh und zufrieden, dass wir viel wertvolle Zeit mit unseren Patenkindern verbringen konnten. Die Kinderdorf-Kinder als auch wir Paten freuen uns über diese intensive Zeit und hoffen auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr.

Die Stiftung Kinderzukunft leistet seit 1988 transparente und nachhaltige Hilfe für Kinder in Not. Dazu unterhält sie neben zahlreichen Ernährungs- und Bildungsprojekten weltweit auch eigene Kinderdörfer, Schulen und Ausbildungseinrichtungen in Guatemala, Bosnien und Herzegowina sowie Rumänien. Für diese vorbildliche Arbeit wurde die Kinderzukunft von der Hessischen Landesregierung zur Stiftung des Jahres 2009 ausgezeichnet. Seit Jahren trägt die Kinderzukunft das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), das Gütesiegel für seriöse Spendenorganisationen.