Auszug aus Kinderzukunft - Stiftung für Kinder in Not - Druckansicht

Seit 2006 haben Jugendliche, die auch außerhalb des Kinderdorfs wohnen, die Möglichkeit, als Bäcker ausgebildet zu werden. Mit Unterstützung der Heiner Kamps Stiftung wurde im Jahr zuvor der Grundstein für die kinderdorfeigene Backstube gelegt. Seitdem haben sich mehrere Bäcker und Konditoren aus Deutschland ehrenamtlich über die Heiner Kamps Stiftung für das Kinderdorf der Kinderzukunft engagiert.

So auch Friedrich Geißler, der „Selo Mira“ erstmals 2009 besuchte. Nach einem kurzen Einsatz im November letzten Jahres, wo Lebkuchenhäuser und anderes Weihnachtsgebäck auf dem Programm standen, war für Geißler schnell klar, dass er einen längeren Aufenthalt im Kinderdorf verbringen wollte: „Die Jugendlichen sollten einen Eindruck über die Arbeit im Bäcker- und Konditorhandwerk bekommen. Ich wollte vermitteln, dass es möglich ist, mit ein bisschen Fleiß und Übung tolle Backwaren, auch mit einfachen Mitteln, zu produzieren.“ Angefacht durch die Neugier und Begeisterung auf beiden Seiten ist Erstaunliches entstanden: „Wir haben Windbeutel, verschiedene Sorten Teegebäck, Cremetorten, Biskuitrouladen, Blätterteiggebäcke sowie unterschiedliche Kuchen und Füllungen hergestellt“, berichtet Geißler. „Mit dem Spritzbeutel wurde versucht, einfache Garniertechnik zu erlernen. Es wurden Marzipanrosen und -figuren modelliert.“ Sämtliche Rezepte wurden ins Bosnische übersetzt, damit jeder alles nachvollziehen und später selbstständig ausführen kann. Mitgebrachte Videoclips gaben zudem Einblicke in den Arbeitsalltag in einer deutschen Backstube.

„Beim Backen haben alle super mitgearbeitet, auch die Kleinsten waren dabei“, freut sich Geißler. „Die Jugendlichen waren sehr interessiert und fleißig. Es machte sie auch stolz, wenn sie z. B. Rosen hergestellt haben. Vor allem die Mädchen haben dafür großes Geschick.“ Handrührgeräte und weiteres Arbeitsmaterial konnte mit Unterstützung der Heiner Kamps Stiftung angeschafft und hierbei eingesetzt werden. Ein besonderes Erlebnis war der Ausflug mit Kindern, Pflegemüttern und Mitarbeitern nach Bistarac, wo gemeinsam am See gegrillt, gespielt und gelacht wurde.

Auch wenn es immer wieder Probleme mit der Sprache gab, hat Geißler die Arbeit im Kinderdorf viel Freude bereitet. „Die bosnische Mentalität können wir nicht immer nachvollziehen, das ist aber gar nicht notwendig“, sagt er, „man sollte einfach nur voneinander lernen.“ Für ihn ist „Selo Mira“ ein besonderer Ort, den er immer wieder gerne besucht. „Bei den Kindern und Jugendlichen spürt man, dass sie mit sehr viel Liebe und Geborgenheit aufwachsen. Vor allem die Pflegemütter, die rund um die Uhr für „ihre Kinder“ da sind, leisten eine bewundernswerte Arbeit. Ihnen ist bewusst, dass sie eine große Verantwortung tragen. Ich habe sehr vielen bosnischen Kaffee getrunken, so viel gelacht wie in fünf Jahren nicht mehr, und in allem viele eindrucksvolle Momente und Begegnungen gehabt, für die ich sehr dankbar bin.“ Friedrich Geißlers ausführlichen Reisebericht mit interessanten Einblicken in die bosnische Kultur finden Sie auf www.kinderzukunft.de.

Die Stiftung Kinderzukunft leistet seit 1988 transparente und nachhaltige Hilfe für Kinder in Not. Dazu unterhält sie neben zahlreichen Ernährungs- und Bildungsprojekten weltweit auch eigene Kinderdörfer, Schulen und Ausbildungseinrichtungen in Guatemala, Bosnien und Herzegowina sowie Rumänien. Für diese vorbildliche Arbeit wurde die Kinderzukunft von der Hessischen Landesregierung zur Stiftung des Jahres 2009 ausgezeichnet. Seit Jahren trägt die Kinderzukunft das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), das Gütesiegel für seriöse Spendenorganisationen.