Auszug aus Kinderzukunft - Stiftung für Kinder in Not - Druckansicht

Seit 1995 sammelt die Stiftung, damals zunächst in Hessen und heute inzwischen national, jedes Jahr Weihnachtspäckchen, die per LkW nach Rumänien, Bosnien und Herzegowina und andere osteuropäische Länder gebracht und dort an Kinderheime, Krankenhäuser, Schulen, Kindertagesstätten sowie in Armenvierteln verteilt werden. Neu in diesem Jahr ist, dass die Kinderzukunft auch Päckchen in die Ukraine bringt, wo diese vor Ort in Zusammenarbeit mit dem Ukrainischen Arbeiter-Samariter-Bund an bedürftige Kinder verteilt werden. Wie in den Jahren zuvor erhält die Kinderzukunft in 2014 im Rahmen der Weihnachtspäckchen-Aktion prominente Unterstützung. So beteiligt sich auch die Schirmherrin der Aktion „Weihnachtspäckchen für Kinder in Not 2014“ Manuela Schwesig, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, mit einem selbstgepackten Päckchen und ist begeistert von der Aktion der Kinderzukunft. Genauso wie Dr. Wolfgang Dippel, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, der sein Päckchen bei der Kinderzukunft persönlich abgab.
 „Viele Kinder dieser Welt wissen nicht, was es heißt, persönliche Geschenke zu bekommen, da sie zusammen mit ihren Familien in äußerst ärmlichen Verhältnissen leben. Solchen Kindern möchte die Aktion „Weihnachtspäckchen für Kinder in Not“ der Stiftung Kinderzukunft zu Weihnachten eine kleine Freude bereiten. Ich finde es toll, dass es diese Aktion gibt und beteilige mich gerne daran. Zusammen mit meinem Sohn habe ich ein Päckchen gepackt, das jetzt zu einem Kind in die Ukraine geht, in der Hoffnung, dass es ihr oder ihm einen glücklichen Moment beschert“, so Ministerin Schwesig.
Kurz vor Weihnachten startet der letzte diesjährige Transport mit 6.000 Päckchen in die Ukraine, die an Not leidende Kinder in Kiew und Slawjansk verteilt werden. Bereits am 8. Dezember waren elf Helfer zum Verteilen der Päckchen mit nach Rumänien gereist. Dazu gehörten Mitarbeiter der Stiftung Kinderzukunft, ein Vertreter der Arbeiterwohlfahrt, eine Mitarbeiterin von Procter & Gamble aus Groß-Gerau, zwei Auszubildende von der Braun GmbH aus Marktheidenfeld sowie die Geschäftsführerin von Budelmann Elektronik aus Münster.
Die erste Station war die Stadt Resita, wo die Helfer Päckchen in einem Behindertenheim verteilten und herzlich von Kindern und Betreuern begrüßt wurden. Weiter ging es nach Anina-Steierdorf, eine Stadt, die im Banater Gebirge liegt. Die Armut ist hier groß, seitdem der Kohlebergbau eingebrochen ist. Schätzungsweise 60 Prozent der Anwohner sind ohne Arbeit. Die Trostlosigkeit der Gegend spiegelt sich normalerweise auch in den Augen der Kinder wieder. Wenn die Kinder aber gemeinsam mit Lehrern und Betreuern aufgeregt auf die Päckchen aus Deutschland warten ist das anders. Die Kinderaugen leuchten erwartungsvoll.

„Was mich tief berührt ist, dass sich die Kinder über Kleinigkeiten freuen. Über einen Schal freuen sie sich genauso wie über eine Tafel Schokolade. Ich werde auch in den nächsten Jahren wieder mitfahren, denn die unverfälschte Freude der Kinder ist mein größter Lohn, betont Elke Wennhak, Mitarbeiterin von Procter & Gamble.
Von Anina-Steierdorf ging die Fahrt weiter nach Timisoara, der zweitgrößten Stadt Rumäniens. Abseits des geschäftigen Treibens der Großstadt macht sich die extreme Armut breit. Hier verteilten die Helfer Weihnachtspäckchen u. a. an eine Großfamilie. Zusammen mit weiteren Familien lebt die 32-jährige Mutter mit ihren acht Kindern im Alter von drei bis fünfzehn Jahren und ihrem Mann, der als Tagelöhner versucht die Familie mit dem Nötigsten zu versorgen, in einem stark baufälligen Haus außerhalb von Timisoara. Zum Wohnen steht der Familie lediglich ein einziger großer Raum zur Verfügung, in dem sich das ganze Familienleben abspielt. Sanitäre Anlagen und eine Heizung gibt es nicht. Der kleine Bollerofen in der Ecke des Raums kann kaum etwas gegen Feuchtigkeit und Kälte, die von draußen hineindringt, ausrichten. Die Kinder sitzen im Dämmerlicht nebeneinander und schauen gebannt auf die mitgebrachten Päckchen. Es dauert eine Weile, bis sie die Päckchen behutsam auspacken, ihnen ein Lächeln über ihre Gesichter huscht und die Resignation in diesem Augenblick vertrieben scheint. Auf die Frage, was sich die Mutter für die Zukunft erhofft, antwortet sie mit gesenkten Kopf: „Meine Kinder sollen die Schule beenden und Arbeit finden, damit sie dieser Armut entkommen können“.
Tief bewegt von den Eindrücken der vergangen Tage kehrten die Helfer in das Kinderdorf der Kinderzukunft in Timisoara zurück. Ein Höhepunkt der Reise war die Weihnachtsfeier in der Aula der Schule. Die Schützlinge führten in Kostümen, die in der kinderdorfeigenen Schneiderei angefertigt wurden, gekonnt Tänze auf. Ein Mädchen in einem weißen Kleid wendete sich in Deutsch an die Gruppe der Helfer und dankte ihnen für ihre Unterstützung. „Vor dem Hintergrund dessen, was ich in Rumänien gesehen habe, d. h. Armut, Resignation und zum Teil auch große Verzweiflung, erscheint das Kinderdorf wie ein Ort der Glückseligkeit. Hier werden die Kinder liebevoll umsorgt und gefördert. Sie können in die Schule gehen, eine Ausbildung absolvieren und Geld verdienen. Eine Chance, die die meisten Kinder in Rumänien niemals haben werden“, betont Harald Hermann, langjähriger ehrenamtlicher Mitarbeiter der Kinderzukunft.
Am Ende des viertätigen Aufenthalts in Rumänien kehrt die Gruppe zurück nach Deutschland, wissend, dass mit den Weihnachtspäckchen etwas Licht und Freude in das Leben der armen Kinder gebracht werden konnte.