Auszug aus Kinderzukunft - Stiftung für Kinder in Not - Druckansicht

Der anhaltende politische Konflikt trifft die Menschen in der Ukraine besonders hart. Für viele Familien ist schon die Grundversorgung ein großes Problem. Die Kosten für Miete, Heizung, Lebensmittel und Kleidung zehren das gesamte Familieneinkommen auf. Ohne eigenen Gemüseanbau und Hilfe von außen ist die Alltagsbewältigung für viele Familien kaum möglich. An Weihnachtsgeschenke für die Kinder ist oft gar nicht zu denken. Daher beschloss die Stiftung Kinderzukunft, im Rahmen der Weihnachtspäckchen-Aktion 2014 auch Not leidenden Kindern in der Ukraine zum Weihnachtsfest eine Freude zu bereiten.

Während die Verteilung der Päckchen in Bosnien und Herzegowina sowie in Rumänien bis Mitte Dezember abgeschlossen war, erreichte der Lkw in die Ukraine mit knapp 6.000 Geschenken erst am 22. Dezember seinen Bestimmungsort. Die Mehrzahl der bunt gepackten Päckchen wurde vor Beginn der dortigen Winterferien an Kinder in Kiewer Kinderheimen übergeben. Rund 1.000 Päckchen wurden in die Kampfgebiete um Donezk und Lugansk transportiert, wo Kinder in Waisenhäusern und auch Kinder von kämpfenden Soldaten beschenkt wurden. Unterstützung bei der Päckchenverteilung erhielt die Kinderzukunft vom Arbeiter-Samariter-Bund und seiner Partnerorganisation, den ukrainischen Samaritern. „Dank der professionellen und zuverlässigen Organisation vor Ort konnten die Päckchen trotz erheblichem bürokratischem Aufwand ins Land eingeführt und rechtzeitig zum Weihnachtsfest, das in der Ukraine am 6. Januar gefeiert wird, verteilt werden,“ betont die Projektleiterin der Kinderzukunft Kathrin Klotz.

Klotz reiste Anfang Januar nach Kiew, um die Verteilung der Weihnachtspäckchen persönlich zu begleiten. Am ersten Tag ihrer Reise besuchte sie das Kiewer Kulturhaus der Gesellschaft für Taubstumme, in dem 400 Kindern mit ihren Eltern ein vielfältiges Kulturprogramm geboten wurde. Am Ende der Veranstaltung wurden den Kindern Weihnachtspäckchen überreicht. Zahlreiche Medienvertreter von lokalen und nationalen Fernsehsendern waren auf Einladung der Stadtverwaltung erschienen, um über die Hilfsaktion zu berichten. Svetlana Weselova, Referatsleiterin in Angelegenheiten für Frauen, Familien und Menschen mit Behinderung, bedankte sich herzlich bei Kathrin Klotz, die stellvertretend für die Schirmherrin der Aktion Manuela Schwesig, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, eine Dankesurkunde entgegennahm.  

Ein Strahlen in den Augen und Freude im Gesicht erwartete die Helfer ebenso am zweiten Tag, als sie im Waisenhaus in Vorzel, einer Vorstadt Kiews, 80 Kinder besuchten. Alle Kinder kommen aus sozial schwachen Familien, die meisten wurden von ihren Eltern verlassen. Laute Rufe und ausgestreckte Arme, in deren Händen aufgeregt ein Geschenk den Betreuern gezeigt wurde, machen deutlich, dass die Päckchen aus Deutschland auch hier den Kindern einen Moment des Glücks geschenkt haben.

Es sind nicht nur die Kinder, die durch ein Weihnachtspäckchen ein Fest der Freude erleben dürfen, sondern auch deren Eltern, die durch diese Hilfe ihren Kindern fröhliche Weihnachtstage ermöglichen können. Immer wieder erfuhren die Helfer durch Worte oder kleine Gesten, wie dankbar die Eltern für das beispielhafte soziale Engagement sind: etwa im Kinderkrankenhaus, wo kranke Kinder mit ihren Müttern über die Feiertage untergebracht sind, oder zu Besuch bei Valentina und Alexander Nikolaytschuk. „Wie weite Teile der Bevölkerung leiden sie unter bitterer Armut und leben selbst in ganz einfachen Verhältnissen, und doch werden wir mit großer Gastfreundschaft empfangen,“ sagt Klotz.  

Die Nikolaytschuks sind im Mai mit ihren fünf Pflegekindern und wenigen Habseligkeiten von Donezk in die Kiewer Region geflohen. Sie gehören zu den in der Hauptstadt offiziell registrierten 39.000 Binnenflüchtlingen. Erst sieben Monate nach ihrer Ankunft erhielten sie erstmals staatliche Unterstützung. Ohne Hilfe nichtstaatlicher Organisationen, wie den ukrainischen Samaritern, wären sie in den ersten Monaten kaum über die Runden gekommen. Sie bewohnen nun ein altes Haus, das sie Schritt für Schritt renovieren und wo sie ein liebevolles Zuhause für ihre Kinder eingerichtet haben.

Auch die Witwe Irina Schirkova, die die Helfer zu sich in ihre kleine Mietwohnung einlud, ist von der deutschen Hilfsbereitschaft sehr bewegt. Im engen Wohnzimmer, wo ein geschmückter Weihnachtsbaum, ein Sofa, eine Schrankwand, ein Fernseher und ein Hochbett für ihren dreijährigen Sohn und die fünfjährige Tochter stehen, erfreuten sich die Kinder an der außergewöhnlichen Bescherung. Auf die Frage, was sie sich für ihre Kinder wünscht, gibt Schirkova eine klare Antwort: „Eine größere Wohnung, aber vor allem Frieden!“    

Die Stiftung Kinderzukunft leistet seit 1988 transparente und nachhaltige Hilfe für Kinder in Not. Dazu unterhält sie, neben zahlreichen Ernährungs- und Bildungsprojekten weltweit, eigene Kinderdörfer, Schulen und Ausbildungseinrichtungen in Guatemala, Bosnien und Herzegowina sowie Rumänien. Mit der Sonderaktion „Weihnachtspäckchen für Kinder in Not“ hilft die Kinderzukunft auch armen Kindern außerhalb ihrer Projekte. Für ihre vorbildliche Arbeit wurde die Kinderzukunft von der Hessischen Landesregierung zur Stiftung des Jahres ausgezeichnet. Seit vielen Jahren trägt die Kinderzukunft das Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), das Gütesiegel für seriöse Spendenorganisationen.