Auszug aus Kinderzukunft - Stiftung für Kinder in Not - Druckansicht

Seit 2012 unterstützt Martina Lewe mit den Spenden, die sie über den Verkauf ihrer Strick-Accessoire-Kollektion Meinfrollein generiert, verschiedene kleine Projekte in den Kinderdörfern der Stiftung Kinderzukunft. Nach einem Schulprojekt in Guatemala folgte die Unterstützung der Schneiderwerkstatt in Rumänien. Die zuletzt gesammelten Spenden wurden für die Schneiderwerkstatt des bosnischen Kinderdorfs „Selo Mira“ verwendet.

„Alles beginnt mit einem kurzen Anruf Anfang März 2015: „Frau Lewe, hätten Sie nicht Interesse, uns zu begleiten?“ Welch eine Gelegenheit! Im Mai 2015 ist es soweit. Kathrin Klotz, verantwortlich für die Spenderbetreuung des Kinderdorfs „Selo Mira“ in Bosnien, besucht das Projekt mit ihrer Kollegin Lydia Beck. Ich werde sie vor Ort treffen!

Nach drei Stunden Autofahrt von Sarajevo durch eine wunderschöne, bergige Landschaft treffe ich am Freitagmittag im Friedensdorf ein. Ein Traum für Wanderer. Nichts lässt vermuten, dass in der Umgebung zum Teil noch Minenfelder sind. Eines in direkter Nachbarschaft wurde erst vor ein paar Jahren „gesäubert“. Seit fast einer Generation ist der Krieg jetzt zu Ende, doch er wirkt immer noch nach.

Nach einer herzlichen Begrüßung zeigt uns der Direktor Osman Pozderović das Kinderdorf. Wir besuchen zunächst die Ausbildungswerkstätten, u. a. den Friseursalon, die Bäckerei, die Kfz-Werkstatt sowie die Schneiderei. Hier ist die Meinfrollein-Spende angekommen und stolz zeigt mir die Meisterin, was schon alles genäht wurde: dreiteilige Anzüge und Ballkleider mit Rüschen und Volants für die diesjährige Abschlussfeier. Die Mädels und Jungs konnten ihre eigenen Entwürfe umsetzen und dürfen richtig stolz auf ihre Ergebnisse sein. Ich darf das sagen, ich bin ja Profi.

Es ist schön zu sehen, wie herzlich der Umgang unter den Kindern, aber auch mit den Hausmüttern und Betreuern ist. Überall ist sehr viel Herz zu spüren. Auch der Direktor ist sehr engagiert und versucht, durch die enge Kooperation mit den Nachbarn im Ort und den Behörden für alle ein positives Klima herzustellen. Letztendlich möchte er den Kindern eine echte Zukunftsperspektive geben. Daher die Ausbildungswerkstätten und das Jugendhaus in Lukavac, wo die erwachsenen Jugendlichen in WGs wohnen und nach Beendigung ihrer Ausbildung auf einen Job hoffen. Nicht einfach in einem Land mit enorm hoher Arbeitslosigkeit (über 40 % in 2014).

Nach und nach erfahre ich auch etwas über die einzelnen Schicksale der Kinder, die durch das bosnische Jugendamt hierherkommen. Wenn man das Lachen der Kinder hört und ihren offenen und fröhlichen Umgang mit uns erlebt, kann ich mir kaum vorstellen, was sie zum Teil schon durchgemacht haben. Es sind Straßen-Kids aus Sarajevo dabei, missbrauchte Kinder und absolut vernachlässigte Kids. Viele sind mit ihren Geschwistern oder einem Teil der Geschwister hier. Im Kinderdorf gibt es Zuneigung, Sicherheit, Geborgenheit und so banale Dinge wie regelmäßiges Essen und Ausbildung.

Es ist so schön zu sehen, wie sich die Paten persönlich einbringen und so ein ganz besonderes Verhältnis entsteht. Zu meinem Glück ist gerade auch eine Patin vor Ort, die im normalen Leben Klinik-Clown ist. Sie gibt eine improvisierte Vorstellung, die ein absolutes Highlight ist.

Durch die Gespräche mit dem Direktor werden die Dinge nochmal klarer. Die wirtschaftliche Situation des Landes, die hohe Arbeitslosigkeit und auch das fehlende Geld für echte Aufbauarbeit machen es für die Bosniaken schwer, eine Vision zu entwickeln. Aber es gibt Hoffnung, wie am Beispiel von „Selo Mira“ glaubhaft demonstriert. Der kurze Einblick in den Lebensalltag zeigt mir, dass hier viel Wert auf soziale Kompetenz und eine gute Ausbildung gelegt wird. Immer wieder muss ich feststellen, dass trotz der schrecklichen Umstände, die dazu führen, dass Kinder nach „Selo Mira“ kommen, diese aus meiner Sicht echtes Glück haben.

Ich selbst schätze mich glücklich, dass ich die Gelegenheit hatte, zu sehen, mit wie viel Leidenschaft und Herz sich alle Beteiligten um das Wohl der Kinder kümmern. Der aktive Austausch mit den Paten und das Engagement sind sicherlich herausragend. Hier wird miteinander und voneinander gelernt. Für mich steht fest: meine Unterstützung für die Kinderzukunft werde ich weiterhin fortsetzen. Ich freue mich schon jetzt auf einen weiteren Besuch.“  

Martina Lewes ausführlicher Reisebericht ist im Internet unter www.kinderzukunft.de nachzulesen. Nähere Informationen zu Projektreisen und Patenschaften in Bosnien gibt es telefonisch unter 06051/4818-12 oder per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Spenden können auf das Konto der Kinderzukunft bei der Kreissparkasse Gelnhausen getätigt werden: Konto 90 90 901, BLZ 507 500 94.