„Wenn Bäume brennen, damit Kinder überleben“

Im südlichen Grenzgebiet der Bezirke Chirundu und Siavonga in Sambia: Der Abend senkt sich, und an vielen Hügeln rostet die Dämmerung rot-orange. Dort knien Gruppen von Männern und Frauen in der staubtrockenen Erde, behutsam stapeln sie Holzscheite, bedecken sie mit Erde, zünden sie an. Rauch steigt auf. Kohle entsteht. Illegal, im Verborgenen. Aber für viele Familien der einzige Weg, ein kleines Einkommen zu erzielen. Mit schweren Säcken schleppen sie die brennenden Stücke hinunter an die Straße, wo Käufer warten – oft Lastwagen aus dem Nachbarland Zimbabwe, die die Kohle abholen. Eine Kohle-Ladung-Kleinigkeit, so denken sie – doch die Umwelt bezahlt einen hohen Preis. Kahle Hänge, abgebrannte Wälder, Erde, die austrocknet.
Es ist eine toxische Überlebensstrategie – aber oft keine Alternative.

Hier müssen auch Kinder mitarbeiten. Statt der Schulbank sitzen sie am Feuer, tragen kleine Scheite, schlagen Holz, füllen Säcke. Kinder, deren Hände zu früh schwer sind, deren Schulranzen unbeachtet in einer Ecke liegt. Sie wissen: Wenn sie nicht helfen, bleibt kein Essen für morgen. Keine Gebühren für Wasser. Kein Mittagessen in der Schule. Studien zeigen: In Sambia geraten Kinder in solche Risiko-Arbeit, wenn Familien keine andere Wahl haben.

„Ich wollte zur Schule gehen“, sagt ein Junge leise, während er den Sack auf seinen Schultern hebt. „Aber wir brauchen das Geld jetzt.“

Am Straßenrand steht eine Frau und ruft: „Zwei Säcke für 150 Kwacha!“ (ca. 6 Euro) – der Preis ist gering, die Luft heiß vom Rauch, der Geruch von verbranntem Holz liegt schwer. Und immer wieder das Knirschen der trockenen Böden, das Knistern der Flammen, die Last auf kleinen Schultern.

Für die Natur ist das fatal – eine Studie der Center for International Forestry Research (CIFOR) zeigt, dass in Sambia die Kohle-Produktion stark mit Entwaldung und unerlaubtem Holzeinschlag verbunden ist. Doch für die Menschen hier ist sie oft überlebensnotwendig: Es gibt kaum reguläre Einkommen, kein funktionierendes soziales Netz, die Felder vertrocknen in der Dürre. Also wird die Waldfläche zur Einnahmequelle – mit höchsten Kosten.

Inmitten dieser Welt der Verluste steht ein Licht: Die Schulen und Projekte der Stiftung
Kinderzukunft. Dort bekommen Kinder sauberes Wasser – durch Brunnen, die wir bohren. Dort gibt es eine Mahlzeit am Tag. Dort gibt es Hoffnung auf Bildung und ein Leben jenseits der Kohleberge und verbrannten Waldflächen. Wenn ein Kind zur Schule gehen darf, anstatt mit zu schleppen, dann ist das ein Schritt hinaus aus der Toxizität der Not.

„Wenn wir nicht lernen, werden wir weiter verbrennen“, sagt ein Mädchen, das die Schule wieder besucht.

Ein Satz, der ins Herz schneidet. Denn ja: Jeder verbrannte Baum ist auch ein
verbranntes Stück Zukunft. Und jedes Kind, das mit einem Stift in der Hand statt mit einem Kohlesack zur Schule geht, ist ein Baum, der neu gepflanzt wurde. Doch noch stehen sie dort – am Straßenrand, im roten Staub der Abendsonne. Männer, Frauen, Kinder. Neben ihnen liegen die Säcke voller Kohle, schwarz und schwer vom verbrannten Holz ihrer Heimat. Sie warten auf Käufer – geduldig, erschöpft, still. Jeder Sack bedeutet ein paar Kwacha, ein paar Tage Essen, vielleicht etwas Wasser. Doch der Preis, den sie zahlen, ist unsichtbar: die Wälder, die verschwinden, die Zukunft, die im Rauch vergeht.

In ihren Gesichtern liegt derselbe Durst, der uns alle verbindet – der Durst nach Leben, nach Würde, nach Hoffnung. Und genau darum dürfen wir nicht wegsehen. Denn solange Kinder an Straßen stehen, um Kohle zu verkaufen, anstatt in der Schule zu lernen, bleibt ihre Zukunft im Schatten.

Die Stiftung Kinderzukunft will das ändern. Mit jedem Brunnen, jeder Mahlzeit, jedem Klassenzimmer schaffen wir eine Alternative – einen Weg hinaus aus der Not, hinein ins Leben. Damit eines Tages keine Kohle mehr glühen muss, damit Kinderhände nur noch Stifte halten – und Hoffnung.

Die Storys of Hope© entstanden auf Grundlage von Eindrücken und Gesprächen während einer Projektreise der Stiftung Kinderzukunft nach Sambia. Sie erzählen von echten Menschen, echten Orten und echter Hoffnung. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte wurden alle Namen geändert. Mit Ihrer Spende oder Patenschaft helfen Sie, Projekte wie diese zu verwirklichen – Brunnen zu bauen, Schulen zu stärken und Kindern eine Zukunft zu schenken.